09. Juli 2019

Neues COMET-Forschungszentrum CHASE gegründet

Der Grundstein für den Zuwachs im UAR Innovation Network wurde Ende letzten Jahres mit dem erfolgreichen Förderzuschlag für das COMET K1-Zentrum gelegt. Am 28.06. wurde das neue Forschungszentrum CHASE (Chemical Systems Engineering) mit den vier Eigentümern – JKU, TU Wien, UAR und dem Verein der Firmenpartner – offiziell gegründet. Im Oktober wird das Zentrum im LIT Open Innovation Center am Gelände der JKU am Standort Linz die Forschungsarbeit aufnehmen und die chemische Industrie tatkräftig bei ihren Initiativen in Richtung Chemie 4.0 unterstützen.

„Das neue Forschungszentrum CHASE wird der chemischen Prozessindustrie auf dem Weg ins digitale Zeitalter einen kräftigen Innovationsschub versetzen und viele Meilensteine in Richtung Nachhaltigkeit ebnen. Der Begriff Chemie 4.0 leitet die chemische Industrie in ein neues Zeitalter – das digital und nachhaltig ist. Für die heimischen Industriebetriebe gilt es, nicht nur Schritt zu halten, sondern vielmehr den Vorsprung weiter auszubauen. Mit dem Forschungszentrum CHASE kommt nun ein neuer starker Innovationspartner hinzu. Die erfolgreiche Fördergenehmigung Ende letzten Jahres war ein wichtiger Wurf zur weiteren Stärkung der Spitzenposition des Industrie-standorts OÖ“, sagt Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner und gratuliert zugleich dem erfolgreichen Konsortium.

Chemie 4.0 – digital und nachhaltig

Ähnlich wie die verarbeitende Industrie mit Industrie 4.0, erlebt nun auch die Chemiebranche mit Chemie 4.0 einen durchgreifenden Wandel. Dabei geht es nicht nur um automatisierte Produktionsprozesse und neue Geschäftsmodelle, sondern um den gesamten Lebenszyklus der Produkte und nachhaltiges Wirtschaften.

„Die Digitalisierung fördert eine zirkuläre Wirtschaftsweise und führt zu nachhaltigen Effekten. Auf Grundlage digitaler Daten können Produktdesigns optimiert und damit die Lebensdauer von Produkten sowie deren Recyclingfähigkeit verbessert werden. Produktionsprozesse können genauestens geplant und in Echtzeit angepasst werden. Wertvolle Rohstoffe – wie z.B. Wasser, Holz, Lösungsmittel bzw. sämtliche für die Produktion benötigten Inhaltsstoffe – werden dadurch wesentlich effizienter eingesetzt. Schlussendlich bedeutet Digitalisierung mit weniger mehr erreichen – weniger Rohstoffeinsatz, reduzierter Energiebedarf und nachhaltigere Produkte“, erklärt DI Dr. Christian Paulik, Professor für Chemische Technologie Organischer Stoffe an der JKU, der federführend die Konzeption des Zentrums vorangetrieben hat.

Eine Vielzahl heimischer Leitbetriebe beteiligt

„Das Forschungsspektrum ist breit gespannt und an den großen Herausforderungen der chemischen Industrie ausgerichtet. Viele renommierte Unternehmen werden sich an der Innovationsarbeit beteiligen – darunter heimische Leitbetriebe wie Patheon, EREMA, Teufelberger, FACC, Greiner, Engel und Borealis, sagt Dr. Peter Pöchlauer, Innovation Manager bei Patheon Austria, der als Obmann den Verein der Firmenpartner vertritt, und ergänzt: „Als Gruppe von 20 Industriebetrieben verbindet uns das Ziel, nachwachsende Rohstoffe zu nutzen, Materialen innerhalb der Produktionsprozesse mehrfach einzusetzen sowie Produkte am Ende ihres Lebenszyklus als Rohstoffe wiederzuverwenden. Das gelingt uns, indem wir unsere Produktionsprozesse durch Einsatz digitaler Technologien laufend verbessern und so gut steuern, dass Produkte höchster Qualität entstehen. Für Patheon und die anderen Industriepartner bedeutet CHASE einen wesentlichen Schritt in die Zukunft der effizienten Herstellung von Artikeln des täglichen Bedarfs bis hin zu modernsten Arzneimitteln.“

Enger Schulterschluss zwischen Forschung und Industrie

Zu den wissenschaftlichen Partnern gehören die Universitäten JKU Linz und die TU Wien sowie vier weitere Forschungszentren aus dem UAR Innovation Network – Kompetenzzentrum Holz GmbH – Wood K plus, Research Center for Non-Destructive Testing GmbH, Transfercenter für Kunststofftechnik GmbH und Software Competence Center Hagenberg GmbH. International sind Organisationen aus Tschechien, Deutschland, den Niederlanden und der USA involviert. Der enge Schulterschluss zwischen Forschung und Industrie spiegelt sich auch in der Eigentümerstruktur wider. Die beiden Universitäten JKU und TU Wien, die UAR und der Verein der Firmenpartner sind jeweils zu einem Viertel an der Forschungsgesellschaft beteiligt, die heute offiziell im Open Innovation Center (OIC) gegründet wurde. „Im LIT Open Innovation Center wird das Forschungszentrum CHASE am Standort Linz beheimatet sein. Die Pilotfabrik LIT Factory wird dem Forschungsteam exzellente Voraussetzungen für ihre Arbeit bieten – eine optimale Spielwiese zwischen realen Industrieanlagen und Computermodellen", sagen JKU-Rektor Meinhard Lukas und der Vizerektor für Forschung, Alexander Egyed.

„Zusätzlich zur von CHASE mit dem Filialstandort Wien gebildeten thematischen Kompetenz erfolgt mit der Bündelung der wesentlichen Spieler aus Academia und Industrie eine Verlängerung der Wertschöpfungskette von der Forschung in die Wirtschaft“, erklärt Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Johannes Fröhlich, Vizerektor für Forschung und Innovation an der TU Wien.

Erstes COMET-Zentrum im Bereich der chemischen Industrie

CHASE wird im Rahmen des Forschungsförderungsprogramms COMET (Competence Centers for Excellent Technologies) als sogenanntes K1-Zentrum durch den Bund, die Bundesländer Wien und Oberösterreich und die beteiligten Unternehmen für eine Laufzeit von insgesamt 8 Jahren, die in 2 Förderperioden von jeweils 4 Jahren gegliedert ist, finanziert. In den nächsten 4 Jahren beträgt das Gesamtprojektvolumen insgesamt rund 19,3 Mio. Euro – das Land OÖ steuert in dieser Periode rund 2 Mio. Euro bei. CHASE ist das erste COMET K1-Zentrum im Bereich der chemischen Prozessindustrie.

Starker Zuwachs im UAR Innovation Network

Die UAR trägt als Leitgesellschaft für Forschung des Landes OÖ die Bundesländer-verantwortung für das COMET-Programm und hat in einer koordinativen Rolle das CHASE-Konsortium von Anfang begleitet. „Mit CHASE hat das UAR Innovation Network – zu dem aktuell 17 Forschungszentren mit über 1.000 Beschäftigten zählen – wieder starken Zuwachs bekommen. Wie die Partnerstruktur des Zentrums deutlich zeigt, bestehen starke Synergien mit weiteren Forschungseinrichtungen aus dem Netzwerk“, sagt DI Dr. Wilfried Enzenhofer, MBA, UAR-Geschäftsführer.

Bild:  v.l.n.r

  • a Isabella Staska, Leitung Forschungsservice und Wissenstransfer, JKU
  • -Prof. Dr. Alexander Egyed, MSc, Vizerektor für Forschung, JKU
  • -Prof. DI Dr. Christian Paulik, Leitung, Institut für Chemische Technologie organischer Stoffe, JKU
  • Markus Achleitner, Wirtschafts- und Forschungslandesrat
  • DI Dr. Wilfried Enzenhofer, MBA, Geschäftsführer, UAR
  • in Hedda Weber, Manager CC Biorefinery & Analytics, Sappi
  • Peter Pöchlauer, Innovation Manager, Patheon Austria
  • Prof. Dipl.-Ing. Dr. Johannes Fröhlich, Vizerektor für Forschung und Innovation, TU Wien

(c) Land OÖ/Daniel Kauder