13. Juli 2021

OÖ zeigt geballte Kreislaufwirtschafts-Kompetenz: 6 neue Forschungsprojekte

„63 Unternehmen und Forschungseinrichtungen haben bei unserer Förderausschreibung mitgemacht und damit die hohe Kompetenz Oberösterreich auf dem Gebiet der Kreislaufwirtschaft gezeigt. Eine international besetzte Jury hat die sechs erfolgversprechendsten Vorhaben ausgewählt, die nun mit insgesamt 3,35 Mio. Euro vom Land OÖ gefördert werden“, erklärt Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner. Er erwartet bereits 2023 erste Ergebnisse.

„Für den Standort Oberösterreich erzielen wir damit einen doppelten Nutzen: Kreislaufwirtschaft ist Motor für Innovationen und für nachhaltiges Wirtschaften und stärkt so die Wettbewerbsfähigkeit. Zusätzlich wird ein Beitrag zur Erfüllung der Klima- und Umweltziele geleistet“, so Landesrat Achleitner.

Rohstoffe effizient nutzen, die Umwelt schützen und die Produktivität erhöhen - Kreislaufwirtschaft ist Motor für Innovationen und für eine nachhaltige Wirtschaft gleichzeitig: „In kaum einer anderen Region sind die Voraussetzungen für nachhaltige Industrie und Produktion so gut wie in Oberösterreich: Wir haben in unseren Unternehmen und Forschungseinrichtungen vielfältiges Know-how. Wir sind die Kompetenzregion für Werkstoffe – von Stahl und Aluminium über Holz und Verbundwerkstoffe bis Kunststoff. Wir wollen daher die Kreislaufwirtschaft in den verschiedensten Bereichen vorantreiben, sechs neue Forschungsprojekte werden hier einen wichtigen Beitrag leisten“, unterstreicht Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner.

„Es ist ein klares Ziel unserer Wirtschafts- und Forschungsstrategie #upperVISION2030, die Kompetenz in nachhaltiger Produktion verschiedenster Werkstoffe bis hin zur Kreislaufwirtschaft zu erweitern. Dass Oberösterreichs Unternehmen und Forschungseinrichtungen hier bereits höchst innovativ sind, hat das Ergebnis unserer jüngsten Förderausschreibung ‚Kreislaufwirtschaft‘ gezeigt. Im Rahmen der im November 2020 gestarteten Ausschreibung wurden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit besonders hohem Innovationsgehalt gezielt angesprochen, insbesondere F&E-Projekte mit erhöhtem Entwicklungsrisiko, die durch planmäßiges Forschen oder kritisches Erforschen zur Gewinnung neuer Erkenntnisse und Fertigkeiten beitragen und letztlich zu neuen nachhaltigen Prozessen und Produkten führen“, erläutert Landesrat Achleitner.

„Mit Blick auf die Ergebnisse des Fördercalls lässt sich sagen: Mission erfüllt. Es hat 15 Einreichungen mit einem Gesamtvolumen von 10,3 Mio. Euro gegeben. Eine internationale Expertenjury mit Juroren aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden hat aus den Einreichungen zehn förderungswürdige Projekte ausgewählt, von denen wiederum die sechs bestgereihten eine Förderung erhalten“, erklärt Landesrat Achleitner. „Konkret werden diese sechs final ausgewählten Projekte insgesamt 3,35 Mio. Euro an Förderungen vom Wirtschafts- und Forschungsressort des Landes OÖ erhalten. Die gesamte Investitionssumme beträgt 4,52 Mio. Euro“, so Landesrat Achleitner. Insgesamt sind an den ausgewählten Projekten

  • 14 Unternehmen, darunter die EREMA Group, die Energie AG und Greiner Packaging,
  • 9 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie
  • die Johannes Kepler Universität Linz

Die ausgewählten 6 Projekte im Überblick:

Wiederverwertung von Kunststoff-Mehrschichtfolien und verunreinigten Metallabfällen – Projekt „KryoReIF“:

  • Projektpartner:
  • Projektinhalt: Verschmutzung und Sortenunreinheit sind mitunter die größten Hindernisse beim effizienten Eine vielversprechende und innovative Lösung für dieses Problem ist die sogenannte kryogene Vermahlung. Dabei werden Werkstoffverbunde mit flüssigem Stickstoff bei -196 Grad Celsius in einer Trommel zerkleinert und können durch die je nach Stoff unterschiedliche Versprödung sortenrein getrennt werden. Im Projekt wird dieses Verfahren an Kunststoff- Mehrschichtfolien sowie an verunreinigten Metallabfällen erforscht. Als weitere Partner sind unter anderem Airbus, ICL, voestalpine und Südpack dabei.

Wiederverwertung von    Schaumstoffabfällen    –    Projekt    „HTC-PUR- Extrusion“:

  • Projektpartner:
  • Projektinhalt: Beim Entsorgen von Matratzen, Polstermöbeln und Automobilauskleidungen fallen große Mengen gemischte Schaumstoffabfälle Bei der (chemischen) Wiederverwertung von Polyurethan-Schäumen gibt es zahlreiche Hürden bzw. Nachteile: Das Material muss sehr rein sein und die stoffliche Trennung von Bezügen und Schaumstoffen ist sehr aufwendig, sodass die aktuell eingesetzten Verfahren nicht zufriedenstellend sind. Die Projektpartner wollen daher ein neues Verfahren erforschen, um die Schaumstoffabfälle in Öl, Gas und Koks aufzutrennen. Diese Bestandteile können dann als Rohstoff in der chemischen Industrie und als Ersatz für Industrieruß bei der Herstellung von Reifen, Gummi und Farbpasten verwendet werden.

Textil-Mischfasern recyclingfähig machen – Projekt „EnzATex“:

Noch mehr Folienabfälle für Recyclingunternehmen verwertbar machen - Projekt „FolienKreislauf2030“:

Lebensmittelverpackungen zu    100    Prozent   aus    Recyclingmaterial herstellen - Projekt „GPOIL“:

  • Projektpartner:
  • Projektinhalt: Nicht wiederverwertbare Kunststoffabfälle werden derzeit als Ersatzbrennstoffe Dabei bieten sie eine ergiebige Rohstoffquelle, wenn daraus hochwertige Rezyklate – wie sie zum Beispiel für die Lebensmittelverpackung gebraucht werden - hergestellt werden könnten. Genau dieser Herausforderung widmen sich die Projektpartner. Sie wollen im Labor minderwertige Ersatzbrennstoffe durch chemisches Recycling in hochwertige Polyolefin-Materialien für technische Kunststoffe und Lebensmittelverpackungen umwandeln. Damit wäre es möglich,

Lebensmittelverpackungen künftig zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial herzustellen. Aktuell sind es nicht einmal 10 Prozent – abgesehen von PET-Flaschen. Später ist die Entwicklung von Anlagen im industriellen Maßstab geplant. Gelingt dies, könnte der künftige Rohstoffbedarf der Kunststoffindustrie zu einem großen Teil mit recyceltem Material abgedeckt und ein großer Schritt Richtung endloses Kreislaufsystem gesetzt werden.

Wiederverwertung von Reststoffen aus der Edelpilz-Produktion - Projekt „MycoCycle“:

  • Projektpartner:
  • Projektinhalt: Edelpilze, vor allem Kräuterseitlinge, erfreuen sich rasant wachsender Beliebtheit als Mit der steigenden Produktionsmenge wächst auch die Herausforderung, die nach der Ernte anfallenden Substrate (mit Pilzmyzel verwachsene Holzspäne) zu entsorgen. Aktuell werden diese Substrate kompostiert oder verbrannt. Sie enthalten aber wertvolle Inhaltstoffe wie zB Chitosan, ein vielfältig einsetzbares Biopolymer. Konkret wollen die Projektpartner im Labormaßstab einen lokalen Stoffkreislauf erzeugen: Das aus dem Abfall gewonnene Chitosan wird für die Herstellung von direkt wiederverwertbaren Wachstumsbehältern für die Pilzproduktion verwendet. Was nach der Chitosan-Extraktion übrig bleibt, wird für die Herstellung von Produktverpackungen verwendet. So kann der Einsatz fossiler Rohstoffe in der Pilzproduktion weitgehend minimiert werden.

„Die ausgewählten Projekte zeigen einerseits die vielfältige Kompetenz der oberösterreichischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, zugleich aber auch einen Schwerpunkt im Kunststoffrecycling. Dort arbeiten wir bereits an den nächsten Schritten, um Oberösterreich zur Modellregion für nachhaltige Kunststofflösungen zu entwickeln“, kündigt Landesrat Achleitner an.

Nächster Schritt: Modellregion für nachhaltige Kunststofflösungen

Derzeit wird intensiv an einem umfassenden sogenannten Technologie- Roadmapping gearbeitet. Dieses soll bis 2030 darin münden, dass Oberösterreich zu einer Modellregion für nachhaltige Kunststofflösungen geworden ist und seine Unternehmen als Teil dieser Lösungen ihr Know-how in die ganze Welt exportieren. Schlüsselelement ist dabei das Schließen von Kreisläufen, um die Rohstoffproduktivität zu erhöhen sowie CO2 zu reduzieren. „Am Ende dieses Prozesses steht bildlich gesprochen die Vision, den Inhalt des Gelben Sacks zu 100 Prozent nutzbar zu machen“, unterstreicht Wirtschafts- und Forschungs- Landesrat Markus Achleitner.

Im Juni und Juli fanden bereits drei Workshops mit Vertretern aus Forschung, Wirtschaft (Kunststoffverarbeitung, Lebensmittel, Abfallwirtschaft) und Politik statt, in denen die Grundlagen für den strategischen Plan erarbeitet werden. Im September soll der gesamte Wertschöpfungskreislauf zusammengefasst und die Roadmap für Nachhaltige Kunststoffe 2030 erstellt werden.

Das Roadmapping wird in Kooperation mit dem BMK – Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie umgesetzt.

„Oberösterreich mit seiner geballten Kunststoffkompetenz ist hier einmal mehr das Zugpferd für die gesamte Republik. Langfristig wollen wir die Modellregion auf ganz Österreich ausdehnen“, so Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner.

Der Kunststoffstandort OÖ im Überblick:

  • 220 Unternehmen im Kunststoff-Bereich mit mehr als 000 Mitarbeiter/innen
  • 11,5 Euro Umsatz (50 % des österreichweiten Umsatzes der Kunststoffbranche)
  • OÖ zeichnet auf Basis der Anteile am gesamteuropäischen Umsatz (360 Mrd. Euro) mit 0,6 % an der europäischen Kunststoffgüterproduktion verantwortlich (ca. 2,15 Euro bzw. 307.000 t)
  • Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten an der JKU Linz und FH Wels
  • Forschungseinrichtungen wie K1 Kompetenzzentrum CHASE, Transfercenter für Kunststofftechnik und LIT Factory

Nachhaltigkeit durch Digitalisierung

CHASE ist ein Kompetenzzentrum, in dem rund hundert Forscher/innen aus Industrie und Universitäten gemeinsam an mehr Nachhaltigkeit durch Digitalisierung forschen. CHASE, Mitglied des UAR Innovation Network, ist ein COMET-Zentrum, welches durch die FFG, das Land Oberösterreich und das Land Wien gefördert wird.

CHASE arbeitet insbesondere mit der chemischen und der kunststoffverarbeitenden Industrie. Hier können die Wertschöpfungsketten noch deutlich nachhaltiger werden. Der gesamte Energieverbrauch muss weiter reduziert werden, und die eingesetzten MateriaIien müssen nach der Nutzung den Weg zurück in die Produktion finden. In den letzten Jahren ist schon viel erreicht worden, aber für die nächsten großen Schritte sind durchgängige Lösungen der Partner innerhalb der Wertschöpfungsketten notwendig.

CHASE führt genau die Kompetenzen zusammen, die es für die Umstellung auf eine nachhaltige Prozessindustrie braucht. Das Kompetenzzentrum CHASE zielt konkret auf die technologische Umstellung von Wertschöpfungsketten auf Wertschöpfungskreisläufe ab; Digitalisierung und neue verfahrenstechnische Ansätze zur Kreislaufwirtschaft gehen dabei Hand in Hand.

Den technologischen Kern bildet bei CHASE ein durchgängiges Prozessverständnis der Wertschöpfungskreisläufe. Ganzheitliche Modelle (auch „digitale Zwillinge“ genannt), die alle wesentlichen Einflussfaktoren erfassen, sind ein Schlüssel zum Erfolg. Denn in der industriellen Anwendung sollen diese Prozessmodelle möglichst robust sein, um mit den großen Schwankungen der Zusammensetzung des im Kreislauf zu führenden Materials zurecht zu kommen.

Die Erarbeitung dieser Modelle ist entsprechend komplex und viele wissenschaftliche Disziplinen müssen etwas zur Gewinnung und Nutzung der relevanten Prozessdaten beitragen.

Das Kompetenzzentrum CHASE bringt 32 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, die das gemeinsam stemmen können. Durch die umfassenden, kooperativen Forschungsarbeiten in den europaweit einzigartigen Forschungsanlagen der LIT-Factory können die nächsten großen Schritte in Umstellung zu einer nachhaltigen Prozessindustrie gesetzt werden.

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Bild: Land OÖ/Lisa Schaffner (v.l.: DI (FH) Werner Pamminger, Geschäftsführer der Business Upper Austria, Mag.a Dr.in Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG, Wirtschafts- und Forschung-Landesrat Markus Achleitner und Patrick Pammer, Geschäftsführer des Competence Center CHASE)