19. Oktober 2018

OÖ zu Gast bei internationalen Innovationsführern in Bremen

„Künstliche Intelligenz made in Bremen“ – unter diesem Motto hat von 16. bis 18. Oktober eine Informationsreise einer oberösterreichischen Delegation unter der Leitung von Wirtschafts- und Forschungsreferent Landeshauptmann-Stv. Dr. Michael Strugl nach Bremen stattgefunden. Dabei hat man sich mit Top-Wissenschaftlern des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, der Universität Bremen sowie innovativen Unternehmen wie OHB SE und Blackout Technologies UG ausgetauscht. Weiters wurden Kooperationsmöglichkeiten sondiert und eine stärkere Zusammenarbeit in der KI-Forschung mit dem DFKI besiegelt.

 

„Oberösterreich soll zu einer international sichtbaren Kompetenzregion für Künstliche Intelligenz (KI) werden – das ist die Zielsetzung der im Jahr 2017 erarbeiteten KI-Strategie. Neben dem laufenden Ausbau der heimischen Forschungskompetenzen, wie unter anderem die Gründung des AI Labs am Linz Institute of Technology (LIT), soll auf internationaler Ebene der Austausch mit Innovationsführern forciert sowie Forschungskooperationen ausgebaut werden“, erklärt Forschungsreferent LH-Stv. Dr. Michael Strugl. Die Programmpunkte der Reise hatten daher einen klaren thematischen Schwerpunkt – Künstliche Intelligenz. Das Programm wurde von der Upper Austrian Research GmbH (UAR), der Forschungsleitgesellschaft des Landes Oberösterreich, in Zusammenarbeit mit dem AußenwirtschaftsCenter in Berlin erstellt und begleitet.

 

DFKI zählt zu Top-Liga in der KI-Forschung

Die erste Station führte zum Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). In der internationalen Wissenschaftswelt spielt das DFKI in der Liga der Elite-Forschungszentren und ist nach eigenen Angaben – gemessen an Mitarbeiterzahl und Drittmittelvolumen – weltweit das größte gemeinnützige Forschungszentrum auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Im Gesellschafterkreis finden sich renommierte Technologiekonzerne wie z.B. SAP, Google, BMW, John Deere, Airbus, etc. Als Gesellschafter sichern sie sich einen Platz an der Quelle zukünftiger KI-Technologien. Das DFKI feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen und zählt aktuell 18 Forschungsbereiche und -gruppen, 8 Kompetenzzentren, 7 Living Labs, rund 540 WissenschaftlerInnen sowie über 400 studentische MitarbeiterInnen.

 

Bremen jüngster DFKI-Standort mit dynamischen Wachstum

Neben Kaiserslautern und Saarbrücken ist Bremen der dritte und jüngste Firmensitz des Forschungszentrums. Im Jahr 2006 als Labor mit zwei Mitarbeitern gegründet ist der seit 2009 vollwertige Standort dynamisch gewachsen und zählt heute rund 150 MitarbeiterInnen und mehr als 75 studentische Hilfskräfte. Direkt am Gelände der Universität Bremen gelegen, verfügt das DFKI über mehrere Gebäude, in denen neben Büros und Labors auch eine Maritime und eine Weltraum-Explorationshalle untergebracht sind. In zwei Fachbereichen – Robotics Innovation Center und Cyber-Physical Systems – werden Systeme und Roboter entwickelt, die den Menschen in seinen Lebens- und Arbeitswelten unterstützen sowie an Land, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum für komplexe Aufgaben eingesetzt werden.

 

Smart Living für besondere Bedürfnisse

Im Bremen Ambient Assisted Living Lab (BAALL) – eines von insgesamt sieben Living-Labs des DFKI – werden mobile Assistenz- und Umgebungssysteme für Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind bzw. besondere Bedürfnisse haben, entwickelt und getestet. In der 60m² großen alters- und behindertengerechten Wohnung passen sich z.B. Küchenschränke, Waschbecken und Toiletten automatisch an die Größe der Benutzer an, Schränke unterstützen bei der Kleiderauswahl und intelligente Rollstühle bzw. Rollatoren navigieren selbstständig und sicher zum Ziel.

 

In neue wissenschaftliche Höhen vordringen

Unendliche Weiten – auch in Sachen Erkundung des Weltalls ist Bremen höchst aktiv. Die Hansestadt ist Hauptsitz einer der führenden Kräfte der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie – OHB SE. Der Technologiekonzern mit rund 2.400 MitarbeiterInnen fertigt u.a. einen Großteil der Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo und ist auch maßgeblich am zweiten Teil der Exo-Mars-Mission – dem Raumsondenprojekt der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos – beteiligt. Mit einem von OHB gefertigten Trägermodul sollen im Jahr 2020 ein Lander und ein Rover zum Mars transportiert werden. Ein Analysegerät von OHB wird den Rover bei der Suche nach Spuren von Leben auf dem Roten Planeten unterstützen. OHB arbeitet zudem mit dem DFKI zusammen. Mit Künstlicher Intelligenz wird man weiter in neue wissenschaftliche Höhen vordringen.

 

Enge Verknüpfung der Forschungseinrichtungen

In Bremen sind die Wege kurz und die Wissenschaftseinrichtungen eng miteinander vernetzt. Das TZI - Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik an der Universität Bremen ist mit rund 150 MitarbeiterInnen das IKT-Kompetenzzentrum für das Land Bremen und besitzt eine ausgezeichnete internationale Reputation. Ob es um die Zukunft der Industriearbeit, lebenslanges Lernen, den sicheren Umgang mit Informationen in Zeiten des Internets oder Ressourceneffizienz geht – das universitäre Institut leistet einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung und Umsetzung der heimischen Hightech-Strategie. Aktuell werden über 100 Projekte im Jahr bearbeitet. Die KI-Kompetenzen sind am Institut für Künstliche Intelligenz (IAI) gebündelt. 

 

Besuch bei humanoider Roboter-Lady Pepper

Letzter Programmpunkt der Reise war ein Besuch bei der humanoiden Roboter-Lady Pepper und ihren Entwicklern von Blackout Technologies. Pepper hat bereits im August 2018 vorübergehend in Oberösterreich gearbeitet“. In der Filiale der Handelskette Merkur in der Blütenstraße in Linz hat die Roboter-Lady die Kunden begrüßt, sie unterhalten und auf Wunsch Rezept- und Einkauftipps gegeben. Die von Blackout Technologies entwickelten Roboterpersönlichkeiten können vielseitig eingesetzt werden – wie etwa im Handel oder auf Messen. Zukünftig soll die Technologie auch im Bereich Altenpflege und Demenz verwendet werden. Das junge Start-up Unternehmen wurde 2016 gegründet und zählt zu den Pionieren im Bereich ‚Social Robotics‘. Im Bremer World Trade Center programmiert das 10-köpfige Team die Software für die Roboterpersönlichkeiten – und wächst schnell. Geschäftsführer und Firmengründer Marc Fiedler wird im kommenden Monat Linz einen Gegenbesuch abstatten und am 19. November 2018 beim Business & Technology Forum 2018 auf der Bühne stehen.

(c) Iris Klöpper