15. Juli 2021

RISC Software: Kanban in Forschungsprojekten - eine kurze Fallstudie

Agile Methoden in klassischen Forschungsprojekten einsetzen – geht das? Andreas Lettner, Experte und Agile Coach in der RISC Software GmbH beschreibt, wie ein Forschungsprojekt zum Erfolg geführt wurde. Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als positiv. Jedoch, der Einsatz von agilen Methoden in einem laufenden Projekt ist möglich und zielführend – auch in der Forschung!

Prolog

Wir, die RISC Software GmbH, sind ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmern. Wir verbinden Forschung mit Anwendungen in der Praxis. Unsere Arbeitsweise in Entwicklungsprojekten ist klar – agile Methoden nutzen, um ziel- und werteorientiert individuelle Softwarelösungen für die User entstehen zu lassen. Wie funktionieren aber agile Methoden in klassischen Forschungsprojekten? Der vorliegende Bericht zeigt eine einfache Fallstudie, wie in einem Forschungsprojekt, unter schwierigen Umständen, eine Auswahl an agilen Methoden eingesetzt wurde, um eine Verbesserung zu erreichen.

Eines noch: Die vorliegende Fallstudie zeigt Probleme, welche in einem Projekt auftraten. Projekte werden von Menschen abgewickelt – unseren Kolleg*innen. Und deshalb ist es wichtig, dass wir wertungsfrei mit den Informationen umgehen, welche wir erhalten. Wir sind allesamt keine Maschinen und das ist gut so.

1. September 2020

Ich erhalte eine E-Mail bezogen auf ein Projekt, bei welchem diverse Probleme im Anmarsch sind. Konkret besteht die Befürchtung, dass das Projekt nicht rechtzeitig fertiggestellt werden könnte und dass die Mitarbeiterzufriedenheit leidet. Mit diesem Wissen vereinbare ich schnellstmöglich ein Gespräch mit dem Projektteam.

2. September 2020

Ich sitze in einem Besprechungsraum. Mit mir das Projektteam. Bestehend aus Data Scientists, Entwickler*innen, Projektkoordinatoren und jemand aus der “Chefetage”. Selbstverständlich mit genügend Abstand. Corona gibt es ja leider noch immer. Ich sehe einige verzweifelte Gesichter und in manchen einen Funken Hoffnung, dass wir etwas bewegen können. Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Ich entdecke nämlich gerade, dass es sich um ein Forschungsprojekt handelt. Mein Puls steigt. Meine Erfahrung beschränkt sich auf agile Methoden in Kundenprojekten im Industrieumfeld. Wie gut diese bei Forschungsprojekten passen – keine Ahnung. Außerdem habe ich kein Verständnis von dem Thema. Vor mir sitzen Profis – das ist definitiv nicht meine Liga.

Ich beginne meine üblichen Fragen zu stellen. Hauptsächlich W-Fragen. Wo drückt der Schuh? Weshalb drückt er? Was hättet ihr gerne anders? … Nach und nach ergibt sich ein Bild. Meine Notizen nach wenigen Minuten:

  • Auslastungslöcher
  • Kommunikation könnte besser sein
  • in Wirklichkeit 2-3 Teams
  • Motivation sinkt
  • andere Projekte haben Einfluss
  • Zieltermin fraglich
  • Inhalte noch nicht allen klar

Danach eine kurze Pause. Ich sehe meine Notizen und werde optimistischer. Mir fällt ein Stein vom Herzen – das haben sie sicher alle bemerkt. Ich sehe Probleme und Herausforderungen vor mir, die man doch in vielen Projekten hat. Ich bedanke mich für die Informationen und mache einen Folgetermin aus, wo wir erste mögliche Maßnahmen festlegen möchten.

7. September 2020

Die gleiche Runde wie vor wenigen Tagen. Im Gepäck habe ich ein paar Vorschläge, welche mit dem Team besprochen werden.

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