09. Mai 2017

SCCH: Software Research Day zeigt Stellenwert der Software in Industrie 4.0

In der „Smart Factory“ der Zukunft agieren und kommunizieren ganze Fertigungsanlagen, unterschiedliche Bauteile und sogar fertige Produkte autonom miteinander. Die intelligente Fabrik passt sich automatisch an unterschiedliche Situationen sowie Gegebenheiten an. Das ermöglicht die flexible und zudem höchst wirtschaftliche Produktion von hochindividualisierten Produkten in geringen Stückzahlen. Kunden und Lieferanten sind direkt in die gesamte Wertschöpfungskette eingebunden. In diesem Szenario ist die Vernetzung von Daten das große Thema und Software spielt dabei eine – wenn nicht sogar die wichtigste – Hauptrolle. Das machte der Software Research Day 2017 der Software Competence Center Hagenberg GmbH am 9. Mai 2017 deutlich.

„Industrie 4.0 & Digitalisierung bilden gewichtige Schwerpunkte für den Wirtschaftsstandort OÖ und IT ist unbestritten eine Schlüsseltechnologie im digitalen Wandel. Zwischen 2008 und 2013 ist die Wertschöpfung im Bereich Information & Kommunikation in Oberösterreich jährlich durchschnittlich um 7,3 % gewachsen – fast dreimal so stark wie in Gesamt-Österreich. Auch die Zahl der Beschäftigten ist von 2011 bis 2013 um 7,8 % angestiegen (Statistik Austria 2016)“, verdeutlicht LH-Stv. Mag. Dr. Michael Strugl, MBA bei seinen Begrüßungsworten bei der Veranstaltung in der Wirtschaftskammer OÖ. „Die Leitinitiative Digitalisierung des Landes OÖ und gezielte Maßnahmen daraus sollen den fokussierten Ausbau der Innovationskompetenz massiv beschleunigen und den künftigen Bedarf an Fachkräften decken“, rundet LH-Stv. Strugl ab.

Daten als Grundlage der Wertschöpfung

Erst die Aufbereitung, Vernetzung, Analyse und das automatische Ableiten von logischen Folgerungen und Handlungen legen die Basis für Technologietrends wie z.B. selbstlernende Maschinen, hochflexible Produktionsprozesse, intelligente Systeme, die selbstständig ihren Wartungsbedarf erkennen, die interaktive Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine oder flexible Assistenzsysteme (wie Datenbrillen, Tablets oder ähnliches), die Fachkräfte bei unterschiedlichen Arbeitsvorgängen mit wichtigen Informationen und Anleitungen versorgen.

SCCH setzt gezielte Schwerpunkte

Das Forschungsunternehmen SCCH setzt insbesondere Schwerpunkte auf die Themen Smart Data Analytics sowie Deep Learning.

Smart Data Analytics
Durch die entsprechende Verknüpfung und Analyse von großen Datenmengen können aussagekräftige Entscheidungsgrundlagen gewonnen werden und den Fachkräften konkrete Handlungsempfehlungen zur Verfügung gestellt werden. Das ermöglicht Prognose-Modelle zu erstellen, die eine Frühwarnung vor Maschinen-Schäden sowie Stillständen von Produktionsanlagen liefern. Das Anwendungsspektrum von Smart Data Analytics reicht von der Prozessindustrie sowie Produktion, über das Energiemanagement bis hin zur Herstellung und Instandhaltung von Maschinen und Anlagen.

Deep Learning
Deep Learning-Modelle sind Weiterentwicklungen der künstlichen neuronalen Netze aus den 80er/90er Jahren, die in der industriellen Produktion zum Einsatz kommen. Sie sind damit ein wesentlicher Technologieansatz in Richtung künstliche Intelligenz. Die Anwendungsbereiche sind enorm vielfältig (z.B. Autonomes Fahren, medizinische Diagnose, Monitoring von komplexen Abläufen wie z.B. Verkehr, Security, Industrie und im Software Engineering). Am SCCH kommt Deep Learning vor allem bei Anwendungen der Computer Vision, bei der Analyse von zeitlich-räumlichen Daten bzw. bei der Übertragung von Vorhersagemodellen zum Einsatz.

Bei der Veranstaltung berichten die Experten von SCCH über die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung sowie über die vielfältigen Einsatzbereiche dieser Methoden und veranschaulichten dies mit unterschiedlichen Beispielen aus der Praxis.

TRUMPF digitalisiert seine Werke weltweit
Beispiele aus der Praxis eines Industriebetriebes liefert auch der Maschinenbauer TRUMPF. Beim Thema Industrie 4.0 will der Maschinenbauer die Nase vorne haben. „Unser Ziel ist, dass in fünf Jahren unsere industrielle Fertigung komplett digitalisiert ist“, sagt DI Armin Rau, der Geschäftsführer von TRUMPF Maschinen Austria. TRUMPF ist im Umfeld von Industrie 4.0 Anbieter als auch Anwender. Software-basierte Produkte müssen im digitalen Kontext noch stärker automatisiert werden und Maschinen müssen die Fähigkeit besitzen, Daten in die Cloud zu kommunizieren, um zusätzlich digitale Dienste anzubieten. Zusätzliche Apps automatisieren die gesamte Wertschöpfungskette vom Angebot über die Fertigung bis hin zur Lieferung und Rechnungsstellung. Anbieter von zusätzlichen Dienstleistungen und Produkten können einfach in die offene Cloud Plattform integriert werden.

Digitalisierung auch Thema für Start-ups
Dass Industrie 4.0 nicht nur ein Thema für große Produktionsbetriebe ist, zeigte die sogenannte ‚Ideengreislerei‘ – ein Forum im Rahmen der Veranstaltung, bei dem sich unterschiedliche Start-ups mit ihren Lösungen präsentierten. Sichtbar wird dabei, dass Digitalisierung neue Geschäftsmodelle hervorbringt. Zum Beispiel das Linzer Unternehmen My ESEL fertigt maßgeschneiderte und individuell designte Fahrräder in industrieller Massenproduktion zu günstigen Endkundenpreisen. Im Produktionsverfahren kommt biometrische Software zum Einsatz, welche die Rahmengeometrie berechnet und automatisch die Produktionsdaten erstellt. Innovative Start-ups gestalten auch die Zukunft von Künstlicher Intelligenz mit. Zum Beispiel bietet das Unternehmen Xephor Solutions IT-Lösungen basierend auf Artificial General Intelligence. Durch diese moderne Technologie sollen lernende bzw. denkende Maschinen komplexe Aufgaben übernehmen können, bei denen Erfahrung, Kreativität und neue Ideen gefordert sind.

Folgende Start-up stellten sich in der Ideengreislerei vor:

My ESEL
Das Linzer Unternehmen fertigt maßgeschneiderte und individuell designte Fahrräder in industrieller Massenproduktion zu günstigen Endkundenpreisen. Im Produktionsverfahren kommt biometrische Software zum Einsatz, welche die Rahmengeometrie berechnet und automatisch die Produktionsdaten erstellt.

Xephor Solutions
Die IT-Lösungen von Xephor basierend auf der Technologie Artificial General Intelligence. Lernende bzw. denkende Maschinen sollen dadurch komplexe Aufgaben übernehmen können, bei denen Erfahrung, Kreativität und neue Ideen gefordert sind. Das System kann nach einer Trainingsphase in allen Branchen eigenständig arbeiten und liefert laufend neue Verbesserungsvorschläge und Lösungswege. Die Kommunikation läuft einfach über ein Chat-Fenster.

Sensideon
Der Systemanbieter bietet Lösungen zur Messung und Identifikation von Temperaturen bis zu 400°C über Funk. Die Lösungen ermöglichen die digitale Anbindung kritischer Prozessschritte in die Automatisierung. Klar identifizierbare Messwerte bieten dem Kunden zahlreiche Möglichkeiten, Herstellungsschritte zu optimieren bzw. Logistikabläufe zu durchleuchten. In der Umsetzung dieser Messsysteme bietet Sensideon höchste Flexibilität und Innovationskraft.

SYMFLOWER
Die Lösungen von Symflower ermöglichen die vollautomatische Analyse von Software-Systemen. Damit wird der Testaufwand drastisch reduziert und Entwicklungszeiten enorm verkürzt – bei gleichzeitig hoher Qualität der SW-Produkte. Abweichungen von der Spezifikation, Laufzeitfehler, Speicherzugriffsfehler sowie Performance-Engpässe können damit aufgezeigt werden.

KPIBENCH
KPIBENCH bietet für Industrie-Anlagen eine innovative Performance-Management-Software an, um die Produktivität der Industrie-Anlagen zu messen und zu optimieren. Mit dieser Lösung können sich Unternehmen für Digitalisierung entsprechend rüsten.

QUALISOFT GmbH
Qualisoft bietet Software-Lösungen für Managementsysteme, die bei der Vorbereitung auf die Zertifizierung für bestimmte Normen (wie z.B. ISO-Normen) unterstützt und zudem bei der Aufrechterhaltung der Zertifizierungen hilft. Das ermöglicht es, Compliance-Richtlinien einfach einzuhalten und den Managementaufwand drastisch zu reduzieren.

INS Insider Navigation GmbH
Insider Navigation bietet intuitive, millimetergenau Indoor Navigation. Für diese Lösung wird keine zusätzliche Hardware wie Beacon oder Wifi benötigt. Ein weiterer Mehrwert besteht darin, dass durch die Lösung stets die richtigen Informationen am richtigen Punkt im Gebäude angezeigt werden können. Jegliche digitalen Daten können mit dem richtigen Ort verknüpft werden.

Bild 1: v.l.n.r.: Prof. Dr. A Min Tjoa,  LH-Stv. Mag. Dr. Michael Strugl, MBA, Dr. Klaus Pirklbauer
Bild 2: LH-Stv. Mag. Dr. Michael Strugl
Bild 3: v.l.n.r.: Prof. Dr. A Min Tjoa (Chief Scientific Officer, SCCH), LH-Stv. Mag. Dr. Michael Strugl, MBA, Isabell Kunst (Chief Executive Officer, Xephor Solutions), Dr. Pirklbauer Klaus (Chief Executive Officer, SCCH), DI Armin Rau, (Geschäftsführer, TRUMPF Maschinen Austria)

Copyright: Software Competence Center Hagenberg GmbH / Verena Haunschmid